Reisemedizin in der Arztpraxis
 
Eine Forschungsinitiative das Robert-Koch-Instituts in Kooperation mit dem Deutschen Fachverband Reisemedizin e.V.
 
Wir wissen heute eigentlich noch viel zu wenig über die Rohdaten der Reisemedizin. Wer berät, in welchem Umfang, auf welche Informationsbasis stützt sich der Beratende? Welche Themen werden angesprochen, wie findet der Reisende seinen Reisemediziner? Das Protokoll des Workshops „Reisemedizin in Deutschland“ vom Mai 1998 stellt fest, daß der Weg des Reisenden zu den beratenden Stellen und die Transparenz der Beratungsangebote verbessert werden muß. Während der Tagung Medizin und Mobilität im September 1999 wurde die Frage nach epidemiologischer Forschung in der Reisemedizin gestellt.

Inzwischen hat sich nun eine Initiative ergeben, die erste Daten liefern soll. Ziel ist zunächst, Antworten auf die Fragen zu erhalten, wie sich die Bundesbürger unter reisemedizinischen Gesichtspunkten auf die Reise vorbereiten und welche Rolle der niedergelassene Arzt, vornehmlich in der Rolle als Hausarzt, dabei spielt.
Auf beiden Workshops des RKI zum Thema Reisemedizin wurde das große Interesse der verschiedenen Leistungsanbieter im Gesundheitssystem deutlich. Auch die Einführung des Infektionsschutzgesetzes bestätigt die Notwendigkeit weiterführender Zusammenarbeit. Dabei handelt es sich um die für die Primärversorgung verantwortlichen niedergelassenen Ärzte ebenso wie Kliniken, Tropeninstitute und Gesundheitsämter.

Innerhalb einer Erhebung unter niedergelassenen Ärzten, die sich auf ihren generellen Informationsbedarf insbesondere zu Infektionskrankheiten bezieht, ist zum Thema Reisemedizin ein Forschungsvorhaben geplant, das die verschiedenen Leistungsträger einbezieht. Zunächst führt das Robert-Koch-Institut in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Fachverband Reisemedizin und dem Deutschen Grünen Kreuz eine Befragung der niedergelassenen Ärzte durch. Anhand einer praxisorientierten Kurzbefragung wird untersucht, wo der Schwerpunkt bei der reisemedizinischen Prophylaxe bzw. Behandlung derzeit liegt. Weiter interessiert, mit welchen verschiedenen Einrichtungen in diesem Bereich kooperiert wird. Außerdem wird nach bisherigen Fortbildungsmaßnahmen sowie nach der Bereit-schaft, sich an einem Meldesystem für ausgewählte Reisekrankheiten zu beteiligen, gefragt.

In enger Kooperation wurde ein dreiseitiger Erhebungsbogen entwickelt. Er soll, mit einem Anschreiben versehen, ab Januar 2001 an die Praxen verteilt werden. Die Beantwortung soll anonym erfolgen, eine persönliche Zuordnung soll unterbleiben, um die Ergebnisse frei von auch unterschwelligen Einflüssen zu halten. Interessenten werden angeregt, sich auf separatem Wege zur Verfügung zu stellen, wenn sie in ein Surveillance-Programm aufgenommen werden möchten. Die Anregung hierzu erfolgt aber auch über andere Medien, so diese Mitteilung des DFR.
Als Ansprechpartner beim RKI stehen zur Verfügung Frau Dr. Ropers und Herr Prof. Dr. Tiemann,
Tel. (030) 4547-3435 bzw. -3460.

Mitglieder des DFR können somit zu den ersten zählen, die sich für ein Surveillance-Programm entscheiden. Die Rückmeldung der Ergebnisse wird für alle Reisemediziner eine willkommene Informationsbereicherung darstellen. Bitte unterstützen Sie dieses wichtige Anliegen, das Ausfüllen der Fragebögen dauert nur wenige Minuten.
 
Dr. Gwendolyn Ropers,
Robert-Koch-Institut,

Berlin Dr. Norbert Krappitz,
Deutscher Fachverband Reisemedizin