| Kongress "Medizin und Mobilität" vom 21. bis 23. Sptember in Berlin |
| Zum zweiten Mal hat der Deutsche Fachverband Reisemedizin seinen
Part anläßlich der Veranstaltung "Medizin und Mobilität"
übernommen. So waren wir wieder mit einem eigenen Stand vertreten, an dem
einige Mitglieder Auskunft erteilten, wo allen voran Frau Bergmann, Leiterin
unserer Geschäftsstelle, für uns Rede und Antwort stand. Die von
Prof. Gerzer, Mitglied des DFR und gegenwärtigem Präsidenten der
Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrtmedizin, ins Leben gerufene
Veranstaltungsidee stellt die logische Zusammenführung aller medizinischen
Akteure dar, die den Menschen in der mobilen Gesellschaft begleiten. Von der Verkehrsmedizin bis zur Raumfahrt war alles vertreten. So auch die Reisemedizin. An drei Tagen fanden sich viele Interessierte im Physiologischen Institut der Freien Universität zum Herbstanfang in Berlin ein. Bedeutsame Kontakte mit manchen tiefgreifenden Gesprächen stellten ein erfreuliches Ergebnis dar. Nicht zuletzt waren die geselligen Abende, ob im ehemals Kaiserlichen Jagdschloß an der Hüttenstraße im Grunewald oder unter zwölf Meter hohen Dinosauriern im Naturkundemuseum in Berlin-Mitte, Mitverursacher für das Gelingen von "Medizin und Mobilität" im Gerzerschen Sinne. Als angenehm wurde allgemein empfunden, daß der Kontakt mit den verschiedenen Gesellschaften, nunmehr auch vertreten die DTG, recht harmonisch verlief. Die vom DFR seit seiner Gründung gewollte Integration aller reisemedizinisch Tätigen dürfte einen Schritt vorangekommen sein. Fehlentwicklungen ließen sich aufzeigen, so etwa eine Neuschöpfung eines Zertifikats Flug- und Reisemedizin ohne Beteiligung des Fachverbandes. Daß reine Infektiologie unter Außerachtlassung etwa von Reiserisiken, die sich aus dem Problemkreis Unfall in den Tropen ergeben, nicht dem Realzustand entspricht, war allen einsichtig. Daß das gegenüber Deutschland anders geartete Infektionsmuster im weit außerhalb der Tropen liegenden europäischen Mittelmeerraum eine erhebliche Bedeutung in der Reisemedizinischen Beratung und Betreuung hat, fand nicht nur spontanes Verständnis. Vielmehr wurden von kompetenten Kollegen, so aus dem Betreuungsbereich der Bundeswehr, konkrete Parallelen aufgezeigt, etwa am Beispiel Unfall bei Einsätzen im Balkan. So nahm es denn auch nicht wunder, daß mancher Kollege sein Interesse am DFR bekundete. Gleichwohl fiel auf, daß die Bereitschaft, Mitglied zu werden, gelegentlich gehandicapt war. Nicht nur ins Rentenalter übergewechselte Aktive aus anderen Gesellschaften sträubten sich, unseren Mitgliedsantrag auszufüllen. Hier muß der Fachverband seine Strategie überdenken, am besten gleich gemeinsam mit DGLRM, DRTM u. a. Jeder, der die lesenswerte Zeitschrift Flug- und Reisemedizin gleich zwei- oder dreimal erhält, ist verständlicherweise irritiert, wenn man die Kosten bedenkt. Daß neue Mitgliedschaften, deren Beitragsentrichtung weitgehend für eben dieses Magazin aufgezehrt wird, allein wegen dieser pekuniären Absurdität wenig erstrebenswert sind, darf uns nicht wundern. Auch viele von uns erreicht die Zeitschrift ja mehrfach. Hier soll in Zukunft eine Regelung angestrebt werden, die sich schon wie von selbst aus der Tatsache ergibt, daß wir doch alle zu einer einzigen Gruppe von Ärzten gehören, die "Medizin und Mobilität" vor Augen haben. Darin stellt die Betreuung der Reisenden die statistisch wichtigste angewandte Aufgabe dar. Deren Weiter-entwicklung nun, Beschreibung der wirklich relevanten präventiv-reisemedizinischen Inhalte, basierend auf weitgefächerten statistischen Erhebungen, Anpassung von bereits bestehenden reisemedizinischen Arbeitskonzepten, Verbesserung von Länderinformationssystemen und, last but not least, Schaffung längst überfälliger Voraussetzungen zur korrekten Abrechnung reisemedizinischer Leistungen (s. gesonderten Artikel) war ebenfalls ein Thema vieler Gespräche mit hoffnungsvollen Ansätzen. Daß hier nicht zuletzt das Robert-Koch-Institut ein Wörtchen mitzureden hat, stellt ebenso eine Binsenweisheit dar wie die Tatsache, daß für angewandte reisemedizinische Basisforschung heute noch viel zu geringe Mittel bereitgestellt werden. Dennoch sollten wir uns nicht entmutigen lassen, eigene Pläne, falls gewünscht, gemeinsam unter der Ägide des Fachverbandes in reale Forschungsvorhaben zu überführen. Die Bereitschaft, hier Unterstützung zu gewähren, war bereits zu erkennen. Der Vorstand des DFR steht zu Rückfragen zur Verfügung. Sicherlich wäre die Zahl der Kongreßteilnehmer größer gewesen, hätten die Veranstalter den Mut besessen, frühzeitig über Medien, die eine breitere und nicht agenturgefilterte Ärzteschaft ansprechen, einzuladen. Keinem der Sponsoren ist es zu verdenken, wenn er auf Anwesenheitszahlen achtet. Noch viel wichtiger aber scheint es gerade aus Sicht des Fachverbandes, in die Breite der Ärzteschaft zu schauen, wo noch viele unzureichend informierte Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeiten der Reisemedizin nicht nutzen. Daher sollte einer dritten Veranstaltung zu "Medizin und Mobilität" eine Ankündigung über das Deutsche Ärzteblatt recht sein, vielleicht warten die dortigen Redakteure ja nur auf unser Signal. Dr. med. Norbert Krappitz |