| Bericht über die 3. Jahrestagung des Deutschen Fachverbandes Reisemedizin am 1. Juni 2000 in Würzburg |
| Fachverband fordert Zusatzbezeichnung Reisemedizin |
| Im vierten Jahr seines Bestehens führte der Deutsche
Fachverband Reisemedizin am 1. Juni 2000 in Würzburg seine 3. Jahrestagung
durch. Das Programm bestand aus drei Abschnitten reisemedizinischer Fortbildung
sowie Berichten aus den Fachausschüssen. An die Fortbildung und
Präsentation der Fachausschüsse schloß sich eine
Mitgliederversammmlung an. Im ersten Teil der Fortbildung ging es um von Vektoren übertragene Krankheiten und deren mögliche Impfprophylaxe. Priv.-Doz. Dr. Jochen Süß vom Robert-Koch-Institut in Berlin berichtete über die Verbreitung der FSME in Europa und deren reisemedizinische Bedeutung. Er konnte eindrucksvoll über eigene Daten aus Feldstudien in Osteuropa und dem Baltikum berichten. Dr. Bernd Zieger, Chefarzt des Dresdener Institutes für Tropen- und Reisemedizin, berichtete über seine Erfahrungen und Untersuchungen zur Epidemiologie, Klinik, Diagnostik und Verbreitung von Borreliosen. Prof. Dr. Tino Schwarz vom Juliusspital in Würzburg konnte über interessante Details zu Impfungen gegen Gelbfieber und weitere seltenere Viruskrankheiten berichten: hier kamen Impfungen zur Sprache, gegen die keine markteingeführten Impfstoffe zur Verfügung stehen, dennoch aber in den Labors verschiedener meist militärmedizinischer Institutionen Impfstoffe entwickelt worden sind. Im zweiten Abschnitt der Fortbildung berichtete Dr. Bernhard Köhler aus der tropenmed. Abteilung der Missionsärztlichen Klinik in Würzburg über die Behandlung des letzten Lassa-Fieber-Falles, der zu Beginn des Jahres bundesweit über Tage die Schlagzeilen beherrschte. Dr. Norbert Krappitz, stellvertretender Vorsitzender des Fachverbandes, stellte neueste Daten und Informationen zum Thema Sonnenschutz dar, einem Thema, das in der modernen Reisemedizin aufgrund der zunehmenden Urlaubsreisen in sonnenverwöhnte Länder eine wesentliche Rolle spielen wird. Dr. Burkhard Gördes, Schmerztherapeut aus Aachen, berichtete über die Verwendung und Rezeptierung von Analgetika auf Reisen. Die Schmerztherapie ist zur eigenen Subspezialisierung in der Medizin geworden. Patienten Schmerzfreiheit zu gewähren, sollte nicht nur auf Reisen ein wesentliches Anliegen ärztlicher Tätigkeit sein. Das Stufenkonzept der WHO wird hierbei inzwischen auch außerhalb der Krebsschmerztherapie als Grundlage angewendet. Nach der Mittagspause folgten im dritten Abschnitt Berichte über reisemedizinische Erfahrung in exotischen Regionen und Reiseländern. Dr. Mauro Bodio vom Tropeninsti-tut Basel stellte anhand zahlreicher Bilder seltene und weniger seltene Gifttiere vor. Dr. Johanna Fischer aus Mosbach schilderte in einem bewegenden Bericht ihre Erfahrungen während eines Einsatzes mit dem Komitee "Ärzte für die Dritte Welt" in Kalkutta, ein Einsatz, der fachliche Erfahrung mit tiefen menschlichen Eindrücken verband. Den Abschluß der reisemedizinischen Fortbildung stellte der Vortrag von Dr. Stefan Eßer, Geschäftsführer des Fachverbandes, zu seinen Einsätzen als Schiffsarzt auf internationalen Kreuzfahrtschiffen dar. In den Kurzreferaten der Fachausschüsse standen zwei Themen im Vordergrund: Dr. Norbert Krappitz stellte die Erfahrungen mit der Abrechnung reisemedizinischer Leistungen dar. Zwei Jahre nach Aufstellung der Empfehlungen des Fachverbandes in Zusammenarbeit mit dem Hartmannbund und dem Centrum für Reisemedizin hierzu sind die Grenzen der GOÄ hinsichtlich der Darstellung und Abrechnung reisemedizinischer Leistungen und die Notwendigkeit anderer Abrechnungsmodalitäten unübersehbar. In Vorbereitung einer Beschlußfassung in der Mitgliederversammlung stellte Dr. Ulrich Klinsing das vom Fachausschuß erarbeitete Konzept des Fachverbandes zur Aus-, Fort-und Weiterbildung auf dem Gebiet der Reise- und Touristikmedizin vor. In der anschließenden Mitgliederversammlung wurden neben kurzen Berichten des Vorsitzenden, Prof. Dr. Erich Kröger, Ärztlicher Leiter des Centrums für Reisemedizin und des Geschaftsführers des Fachverbandes, Dr. Stefan Eßer, im wesentlichen zwei Beschlüsse gefaßt. Zum einen setzt sich der Fachverband ab sofort für die Schaffung einer Zusatzbezeichnung "Reisemedizin und Touristikmedizin" ein und fordert, im Rahmen der Neufassung der ärztlichen Weiterbildung die Reise- und Touristikmedizin als Zusatzbezeichnung aufzunehmen. Einzelheiten der Voraussetzungen für den Erwerb dieser Zusatzbezeichnung und die geforderten Inhalte der Weiterbildung sollen auf der Grundlage des vom Fachausschuß erarbeiteten Konzeptes ausformuliert und als Antrag an die Bundesärztekammer weitergeleitet werden. Neben der Forderung nach einer Zusatzbezeich-nung wurde außerdem beschlossen, für die primärärztliche Versorgung als Befähigungsnachweis für die reisemedizinische Beratung ein Zertifikat "Reise-Gesundheitsberatung" auf der Basis der Vorschläge des Fachausschusses einzuführen. Dazu wurde angeregt, daß der Vorstand des Fachverbandes mit reisemedizinisch relevanten ärztlichen Fachgesellschaften wie der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und internationale Gesundheit, der deutschen Gesellschaft für Reise- und Touristikmedizin,der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrtmedizin und dem Centrum für Reisemedizin das Gespräch sucht, um möglichst eine einheitliche Zertifizierung für die primärärztliche reisemedizinische Beratung in Deutschland zu erreichen und im weiteren die Einbindung der Reisemedizin in die ärztliche Weiterbildungsordnung bei der Bundesärztekammer gemeinsam zu betreiben. Wie auch in den vergangenen Jahren war die Jahrestagung des Fachverbandes wieder ein Forum für die rund 120 Teilnehmer aus dem In- und Ausland, auf dem Erfahrungen ausgetauscht und neue Kontakte geknüpft wurden. Den Firmen Aventis Pasteur MSD, Chiron Behring, NIDDApharm und Smith Kline Beecham sei noch einmal für ihre finanzielle und fachliche Unterstützung gedankt! Dr. Stefan Eßer |