Zertifikate des Fachverbandes sind Qualitätszeugnisse für niedergelassene Ärzte
Konstruktives Konsensusgespräch über Fortbildung in der Reisemedizin
 
Auf positive Resonanz stieß der bereits im März 2001 vom Fachverband unter der Leitung seines stellvertretenden Vorsitzenden, Dr. Krappitz, veranstaltete Konsensus Workshop zu Inhalten der Reisemedizin. Im Rahmen des Kongresses Medizin & Mobilität im Oktober fand dann auf Initiative von Prof. Dr. Gerzer, Vorsitzender DGLRM, ein Konsensusgespräch über die Fortbildung in Reisemedizin unter Leitung von PD Dr. Nothdurft, Tropeninstitut München, statt. An der Sitzung nahmen Vertreter folgender Organisationen und Institutionen teil, die direkt oder indirekt Zertifikatskurse auf dem Gebiet der Reisemedizin anbieten:
  • Akademie für Flug- und Reisemedizin
  • Berufsgenossenschaftlicher Arbeitsmedizinischer Dienst (BAD).
  • Centrum für Reisemedizin (CRM)
  • Deutsche Gesellschaft für Berg- und Expeditionsmedizin e.V. (BExMed)
  • Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrtmedizin e.V. (DGLRM)
  • Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin und internationale Gesundheit e.V. (DTG)
  • Deutsche Gesellschaft für Reise- und Touristikmedizin e.V.
  • Deutscher Fachverband Reisemedizin e.V. (DFR)
Der Fachverband war offiziell vertreten durch die stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Krappitz (Köln) und Dr. Klinsing (Frankfurt), der auch Vorsitzender des Ausschusses Aus-, Weiter- und Fortbildung ist. Der Vorsitzende, Prof. Dr. Kröger, war in Doppelfunktion anwesend: für das Centrum für Reisemedizin einerseits und den Fachverband andererseits.

In einem überzeugenden Kurzvortrag stellte Dr. Klinsing als erster Redner das Stufenkonzept des DFR vor und löste eine rege Diskussion aus. Das Konzept sieht ein Basis-Zertifikat "Reise-Gesundheitsberatung" und ein Fachzertifikat "Reise- und Touristikmedizin" vor. Das Basis-Zertifikat kann nach zweijähriger ärztlicher Tätigkeit durch erfolgreiche Teilnahme an einer vom Fachverband anerkannten 30-stündigen Fortbildung auf dem Gebiet der Reisemedizin mit abschließender Prüfung erworben werden. Das Zertifikat hat eine Gültigkeit von drei Jahren und verlängert sich jeweils um weitere drei Jahre bei Nachweis von mindestens 20 Stunden anerkannter reisemedizinischer Fortbildung. Dr. Klinsing machte nochmals deutlich, dass es das Ziel des Fachverbandes sei, mit dem Basis-Zertifikat in der niedergelassenen Ärzteschaft eine breite Basis für die reisemedizinische Vorsorgeberatung zu schaffen, gleichzeitig mit dem Fachzertifikat aber auch einen Kreis von Spezialisten der Reisemedizin zu bilden, die den niedergelassenen Ärzten als Referenzärzte für Spezialfragen zur Verfügung stehen. Der Erwerb des Fachzertifikats "Reise- und Touristikmedizin" des Fachverbandes setzt eine vierjährige ärztlichpraktische Tätigkeit voraus, weiterhin die Teilnahme an Grund- und Aufbaukursen von insgesamt 120 Stunden mit entsprechenden Leistungsnachweisen, die Teilnahme an zwei jeweils zweiwöchigen reisemedizinischen Exkursionen in Ländern mit besonderer klimatischer oder gesundheitlicher Belastung, eine vierwöchige Hospitation in einer medizinischen Einrichtung in Ländern mit besonderer klimatischer oder gesundheitlicher Belastung (wobei die Hospitation ganz oder teilweise durch Teilnahme an zeitentsprechenden Exkursionen abgeleistet werden kann) sowie eine zweiwöchige Hospitation in einer reisemedizinisch tätigen Institution. Dr. Klinsing machte auch deutlich, dass die derzeitigen Inhalte und Forderungen für das Fachzertifikat sicherlich nach entsprechenden Erfahrungen einer Anpassung und Weiterentwicklung in den nächsten Jahren bedürfe.

Im Anschluss an die Präsentation von Dr. Klinsing erläuterte Dr. Stüben vom medizinischen Dienst der Lufthansa, als Geschäftsführer der Akademie für Flug- und Reisemedizin das reisemedizinische Fortbildungsangebot der Akademie, das in den für die Zusatzbezeichnung Flugmedizin notwendigen Kurs integriert sei, wobei sich die Inhalte am Curriculum "Reisemedizin" der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und internationale Gesundheit e.V. orientieren.

Der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Reise- und Touristikmedizin, Dr. Lösch (Bad Doberan) stellte das "Diplom in Reise- und Touristikmedizin" der Deutschen Gesellschaft für Reise- und Touristikmedizin e.V. vor, das auf einem viertägigen Fortbildungskurs mit multiple-choice Abschlussprüfung basiert. Die Vertreterin des BAD erläuterte daraufhin kurz den einwöchigen Ermächtigungslehrgang der Berufsgenossenschaften für die Durchführung von arbeitsmedizinischen G35 Vorsorgeuntersuchungen und Beratungen. Der G-35 Lehrgang wird für das DTG-Zertifikat "Reisemedizin" anerkannt.

Das DTG-Zertifikat Reisemedizin wurde von PD Dr. Burchard, Schriftführer der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und internationale Gesundheit e.V., vorgestellt. Das Zertifikat basiert auf einem 32-stündigen Curriculum. Zur Aufrechterhaltung der Qualifizierung ist wenigstens alle drei Jahre der Besuch einer neunstündigen Refresher-Fortbildung notwendig. Das Zertifikat wird als gemeinsames Zertifikat mit der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrtmedizin e.V. ausgestellt. Ziel des DTG-Zertifikates sei es, so Dr. Burchard, eine Qualifizierung für die präventive Reisemedizin zu schaffen und diese möglichst breit in der niedergelassenen Ärzteschaft zu verankern. Die kurative Reisemedizin wird nach Auffassung der DTG weitestgehend durch die Tropeninstitute und niedergelassenen Tropenmediziner abgedeckt. Tropenmedizin in Deutschland sei heute in erster Linie Reisemedizin.

Prof. Kröger stellte in seiner Funktion als Leiter des Centrums für Reisemedizin die Fortbildung zum CRM-Zertifikat "Reise- und Tropenmedizin" mit jährlichen Refresher-Seminaren für Zertifikatsinhaber vor. Die seit 1990 vom CRM angebotenen Kurse mit abschließender multiple-choice Prüfung seien der Ausgangspunkt für die inzwischen von den wissenschaftlichen Fachgesellschaften und dem Fachverband angebotenen Zertifizierungen. Die CRM-Kurse und CRM-Refresherveranstaltungen sind sowohl für das DTG-Zertifikat "Reisemedizin" als auch das Basis-Zertifikat "Reise-Gesundheitsberatung" des Fachverbandes anerkannt.

Prof. Kröger regte an, einen übergreifenden Arbeitskreis "Reisemedizin" aus Vertretern der reisemedizinisch relevanten wissenschaftlichen Fachgesellschaf-ten und Fachverbände einzurichten, um ein einheitliches Zertifikat für Reisemedizin zu erreichen. Derzeit seien noch viele Fragen offen, insbesondere die Sicherstellung einer einheitlichen Qualität bei den Fortbildungen und Zertifizierungen. Nur durch ein gemeinsames Konzept und gemeinsames Auftreten sei eine Anerkennung der Reisemedizin als Weiterbildungsbereich bei der Bundesärztekammer zu erreichen.

Für die Gesellschaft für Berg- und Expeditionsmedizin e.V. (BExMed) stellten der Vorsitzende Dr. Fischer, München, die Fortbildungsangebote seiner Gesellschaft vor, die sich an internationalen Richtlinien und Vereinbarungen orientieren. Er betonte die Bereitschaft seiner Gesellschaft, ihre Erfahrungen und Inhalte hinsichtlich der Höhenmedizin in die Reisemedizin einzubringen.

Es folgte eine Diskussion wie die Reisemedizin in die anstehende Novellierung der Muster-Weiterbildungsordnung der Bundesärztekammer eingebracht werden könnte. Konsens wurde dahingehend erzielt, nach Möglichkeit gemeinsam einen Befähigungsnachweis zu beantragen, der als Basis den von den verschiedenen Gesellschaften angebotenen 32-stündigen Fortbildungskurs beinhalten sollte. Dies sollten und wollten die Beteiligten in den verantwortlichen Gremien ihrer Organisation entsprechend erörtern.

Abschließend wurde vom Fachverband Kritik darüber geäußert, dass im Internet von FORUM Ärzte mit nur sechsstündiger reisemedizinischer Fortbildung als Anlaufstellen für reisemedizinische Beratung gelistet würden. Es sei nicht vertretbar, auf der einen Seite eine 30-stündige Fortbildung mit Prüfung für eine Listung zu fordern, und andererseits diese durch geringere Anforderungen zu unterlaufen. Diese Feststellung fand allgemeine Zustimmung.
Auch wenn das Konsensusgespräch viele Fragen offen ließ, so stellte es doch einen ersten Schritt dar, die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen an der Reisemedizin interessierten Organisationen und Institutionen in Gang zu setzen. Bleibt zu wünschen, dass der Dialog fortgesetzt wird. Die nächste Gelegenheit hierzu bietet sich am 22. Februar 2002 bei der Fortsetzung des Konsensus-Workshops des Fachverbandes vom März 2001.

Prof. Dr. med. E. Kröger