| 8. Jahrestagung | ||||
| des Deutschen Fachverbandes Reisemedizin e.V. | ||||
| Am 17. und 18.09.2005 fand in Köln die
Jahrestagung des Deutschen Fachverbandes Reisemedizin statt. In sehr angenehmem
Rahmen trafen sich rund 100 Kollegen zum Austausch und zur gemeinsamen
Fortbildung. Mazzola, Freiburg, lud ein zur gemeinsamen Diskussion kniffliger Beratungsfälle. In einem von ihr vorgestellten Fall ging es um einen Aufenthalt im Nord-westen Chinas bei vor vielen Jahren nach einer Impfung erlittenem Guillain-Barré-Syndrom (GBS). Die Angabe von Ursachen für ein solches Geschehen ist stets schwierig, da man sich nahe an der Hintergrundinzidenz bewegt und in Studien nur schwerlich große Fallzahlen zusammenkommen. Sie stellte anhand von Literaturdaten dar, dass das Wiederholungsrisiko nach erneuter Impfung nur rund 1,2% beträgt. Andererseits muss die Patientin zu diesem Risiko bereit sein. In diesem Falle war das nicht so: Die Patientin entschied sich für einen Kurzzeitschutz mit Immunglobulingaben für die aus beruflichen Gründen bedeutsame Reise. |
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| Nassauer, Berlin, nahm zu juristischen Fragen rund um
Impfungen und zum Aufklärungsbedarf in diesem Zusammenhang Stellung.
Beides ist durch STIKO-Publikation und Rechtsprechung inzwischen gut und auch
pragmatisch geklärt. Medizinischer Standard ist die jeweilige
STIKO-Empfehlung, ein mündlich nach Information und Gelegenheit zu
Rückfragen gegebenes Einverständnis reicht aus. Die Injektion als
solche kann an eine ausgebildete Arzthelferin delegiert werden, nicht aber die
Unterschrift zur Dokumentation. Eine Übertragung alter Impfungen in einen
neuen Impfausweis behält das IfSG dem Gesundheitsamt vor. Gerzer, Aachen und Köln, stellte das TEMOS-Projekt der ESA vor, das die Versorgung von Patienten in den Zielländern ihrer Urlaubsreise durch Einführung eines Qualitätssiegels verbessert. Am Beispiel des gegenwärtig erstellten Netzwerkes in Griechenland und der Türkei wird die Perspektive deutlich, die aus einer regelmäßigen satellitengestützten Verbindung für Konsultation und Fortbildung entstehen kann. Grubeck-Loebenstein, Innsbruck, stellte aus der Perspektive der Immunologie die Involutionsvorgänge im Alter dar. Immer weniger undifferenzierte T-Zellen stehen für die Entwicklung einer spezifischen Antwort auf ein Antigen zur Verfügung, immer größer ist der Pool von Zellen, die als Effektoren von Entzündungsvorgängen zirkulieren. Daraus resultieren zahlreiche Ideen, sowohl zur Begrenzung des Entzündungspotentials als auch zum Versuch, die Funktion des Thymus zur Aufrechterhaltung des Nachschubs von ausgereiften T-Lymphozyten zu erhalten. Die Untersuchung von Immunantworten auf Impf-Stimuli erscheint besonders bedeutsam. Schmitz, Köln, stellte die großen Herausforderungen dar, die die Verhinderung von Infektionen und Epidemien für eine effektive Katastrophenintervention bedeutet. Aus der Erfahrung der Tsunamihilfe, von Flüchtlingslagern und aktuell der Hilfe in Louisiana berichtete er von der Bedeutung ausreichender und sicherer Wasserversorgung, dem Bau von Latrinen und Waschplätzen, der dringenden Durchführung von Impfaktionen und der Wiederaufnahme der Tuberkulose- und HIV-Behandlung. Die besonderen persönlichen Anforderungen an Bewerber um Mitarbeit in Projekten zeigte Reimer, Köln, in ihrem Beitrag auf. Ihre eigene Mitarbeit auf den Philippinen unter ungünstigen hygienischen, klimatischen und infrastrukturellen Bedingungen war nur mit Anpassungsfähigkeit, Improvisationstalent und Lernbereitschaft zu meistern und erforderte immer wieder erhebliche Frustrationstoleranz. Klinsing, Frankfurt, stellte die Reisemedizinische Studienexkursion des DFR nach Ecuador im Frühjahr 2005 vor. Der besonders eindrucksvolle Aspekt war die Höhenexposition und ihre medizinischen Folgen, als ein Teil der Gruppe bis auf 5025 m weiter anstieg. Die betroffenen Kollegen konnten selbst über ihre Erfahrungen Auskunft geben. Beratungen zum Thema Höhenaufenthalte gewinnen durch solche "Selbsterfahrung" eine unmittelbare Überzeugungskraft. Rissland, Münster, berichtete von der gegenwärtigen Epidemiologie der H5N1-Vogelgrippe und den Risiken, die sich durch eine drohende Influenza-Pandemie ergeben. Die relative Bedeutung der Impfung und anderer ausbreitungsbeschränkender Maßnahmen wurden deutlich, von der Einlagerung des antiviralen Medikamentes Oseltamivir bis zu Überlegungen, dessen Verwendung und Ausgabe im Pandemiefall rationalen Prioritäten zu unterwerfen. |
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| Rösener, Stuttgart, berichtete über die besonderen Aspekte, die neurologische Patienten bei Reisen beachten müssen. Dies reicht von der besonderen Thrombosegefahr mobilitätsbehinderter Personen beim Fliegen über die mögliche Wärmeintoleranz bei MS-Patienten bis zur Problematik des Impfens unter immunmodulierender Therapie. Er führte vor, wie sich etwa mit Vakuum-Tragegriffen für Glasscheiben auch in fremden Duschen sicherer Halt schaffen läßt, und verwies auf Listen "erlaubter" bzw. "verbotener" Medikamente für Myasthenia gravis-Erkrankte. |
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| Rieke, Montabaur, ging aus der Sicht der
Infektionsprävention auf den "Markt" und die hygienischen Implikationen
von "sex work" in Deutschland und die Wünsche von Touristen ein, die sich
auf Sexualkontakte am Urlaubsort einlassen. Mit etwas Sorge kommentierte sie
die Abschaffung regelmäßiger Untersuchungen von Prostituierten als
vermeintlich diskriminierendem Akt mit der Folge der unzureichenden
Prävention von STD. Mauer, Bad Nauheim, berichtete in einem engagierten Vortrag von den großen Schwierigkeiten, unter den Rahmenbedingungen der Bundesrepublik den Interessen von Organspendern und Patienten auf der Warteliste gerecht zu werden. Bei vergleichsweise geringer Spendebereitschaft der Bevölkerung und zum Teil schlechter Kooperation von Krankenhäusern versterben zahlreiche Patienten (drei pro Tag) auf der Warteliste. Diesem Druck folgend werden mehr grenzwertige Organspenden akzeptiert, wenn das Risiko nach sorgfältigem Screening mittels Anamnese und Labortests vertretbar erscheint. Die Implikationen der Serie von Tollwuterkrankungen nach Explantation einer infizierten Spenderin wurden lebhaft diskutiert. Bührle, Freiburg, thematisierte die ärztliche Hilfeleistung über den Wolken. Einerseits kann und soll mit einfachen Mitteln geholfen werden, andererseits fühlen sich viele Kollegen notfallmedizinisch überfordert oder haftungsrechtlich ungesichert. Hier kann Information über flugphysiologische Zusammenhänge, Ausstattung an Bord und juristische Rahmenbedingungen helfen, in besonderem Maße aber ein Kurs, wie ihn MEDIFAN etwa für Ärzte veranstaltet. Resultat ist mehr Sicherheit, gleichermaßen für Reisende und Ärzte. Absolventen identifizieren sich nach Möglichkeit beim Einsteigen gegenüber dem Bordpersonal. Wir danken allen, die ihren Beitrag zu dieser gelungenen Veranstaltung geleistet haben und freuen uns auf die Jahrestagung 2006 mit wieder interessanten Beiträgen und reger Beteiligung unserer Mitglieder. |
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| Dr. med. Burkhard Rieke, Düsseldorf | ||||