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| Wie immer unter der Präsidentschaft von R. Gerzer (DLR), hat unlängst in Berlin zum fünften Mal der Kongress "Medizin und Mobilität" viele an der Thematik interessierte Kolleginnen und Kollegen willkommen geheissen. Organisiert insbesondere von Mitgliedern von DGLRM und DLR, gehörte naturgemäß ein nicht kleiner Anteil der Aufmerksamkeit den Problemen der Raumfahrt. Einen breiten Raum aber nahmen auch Themen aus vielen anderen Gebieten wie z.B. der Höhen-, Verkehrs- und Flugmedizin ein und vermittelte damit einen lebhaften Beweis für die Breite des Querschnittsfaches "Reise - Medizin". | ||||||||||
| Der Deutsche Fachverband Reisemedizin e.V. (DFR) hatte eine Sitzung ausgerichtet: Preiser (Frankfurt), Mitglied des im Rahmen der SARS-Epidemie nach China entsandten WHO-Teams, stellte eindringlich dar, wie es in einer in der Seuchengeschichte bisher einmaligen globalen Zusammenarbeit gelang, das verursachende Corona-Virus zu isolieren und die epidemiologischen Zusammenhänge zu klären. Wegen der Wichtigkeit des Themas finden Sie seinen ausführlichen Bericht an anderer Stelle dieses Heftes. Zwei weitere Referate waren den möglichen Problemen bei Arbeitsaufenthalt im Ausland gewidmet: Litsch (Diplompsychologin, GTZ Eschborn) befasst sich seit Jahren mit den psychischen Stressfaktoren bei Auslandseinsätzen und möglichen Hilfen zu ihrer Bewältigung. Diese sind vielfältig und verursacht u.a. durch die Konfrontation mit völlig neuen Lebens- und Arbeitsbedingungen, Sprach- und kulturelle Barrieren. Erhebliche psychische Störungen können auftreten bei Opfern (immer häufiger zu beklagender) krimineller, terroristischer oder kriegerischer Gewalt. All dies bedarf eines guten Instrumentariums des Ausbalancierens und des Erkennens eigener Grenzen. Das eigene Stressmanagement, die Konfliktkompetenz und der Umgang mit Krisensituationen können durch geeignete psychologische Schulung verbessert werden. Entlastungsmöglichkeiten, Feedback, Selbstreflexion Analyse von Zusammenhängen und immer wieder neu definierte angepasste Ziele stärken die Handlungskompetenz und fördern die Fähigkeit, die permanente Veränderung und Unsicherheit und die fragile Zeitperspektive im Ausland mit Gelassenheit und Flexibilität zu erleben. Ein systematisches debriefing nach jedem längeren Auslandseinsatz wäre wünschenswert, eine psychotherapeutische Intervention bei allen Gewaltopfern erscheint absolut unabdingbar, um bleibende Schäden zu vermeiden und die volle Einsatzfähigkeit wiederherzustellen. | ![]() |
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| Dr. Wolfgang Preiser | ||||||||||
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| Elisabeth-Maria Litsch | ||||||||||
| Anhand umfangreichen Zahlenmaterials stellte Mikulicz (Kronberg) dar, dass bei der Mehrzahl aller Langzeitaufenthalte im Ausland keinerlei schwerere gesundheitliche Probleme beobachtet werden. Abhängig ist das allerdings nicht nur von einer umfangreichen, sorgfältigen Aufklärung der Klienten vor Ausreise, sondern in nicht unerheblichem Maße insbesondere von deren Verhalten (Risikovermeidung) vor Ort. Da die medizinischen Versorgungsmöglichkeiten an den meisten Einsatzorten in Ländern der Dritten Welt nicht dem in Deutschland geforderten Standard entsprechen, ergibt sich häufiger die Notwendigkeit, Patienten aus medizinischen Gründen zu repatriieren. Erfahrungsgemäß ist die Ursache dabei nicht in erster Linie in tropenmedizinischen Erkrankungen zu suchen. Umfangreichen statistischen Untersuchungen nach stehen Unfälle an weitaus erster Stelle schwererer Probleme sowohl bei Touristen als auch bei Langzeitaufenthalt, gefolgt von internistischen (insbesondere cardio-vasculären) Erkrankungen, psychischen und anderen Störungen. | ![]() |
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| Dr. Ursula Mikulicz | ||||||||||
| Die weltweite SARS-Epidemie und die Erfahrung, dass
auch die Medizin in Deutschland sich mit "eingeschleppten" hochinfektiösen
Erkrankungen (wie z.B. haemorrhagische Fieber, Pulmonale Pest,
Orthopox-Virusinfektionen) konfrontiert sehen kann, hat in der jüngeren
Vergangenheit die Aufmerksamkeit nicht nur der Infektiologen auf dieses Thema
gelenkt. Verdiente Aufmerksamkeit fand deshalb das Thema "Management
hochkontagiöser Patienten". Fock (RKI, Berlin) gab einen sehr guten
Überblick über die bereits bestehenden Regelungen und
Möglichkeiten für Diagnostik, medizinische Behandlung,
seuchenhygienische Maßnahmen und Krankentransport. Danach verfügt
Deutschland derzeit über zwei BSL4 Laboratorien für diagnostische
Untersuchungen (Hamburg und Marburg) und Sonderisolierstationen in Hamburg,
Berlin, Leipzig, Frankfurt/Main, Würzburg, München und
Saarbrücken. Neu gegründete Kompetenzzentren integrieren
Behandlungszentren, Öffentlichen Gesundheitsdienst, Rettungsdienst,
spezielle Krankenhaushygiene und tragen damit die Spezialverantwortung für
alle Seuchenschutzmassnahmen. Sie stehen durchgehend auch für Anrufe und
Beratung zur Verfügung (Frankfurt/M. für Hessen, Leipzig für
Sachsen und angrenzendeLänder, München für die Stadt
München). Eine Arbeitsgruppe unter Leitung des RKI hat "guidelines for
rapid reactions" entwickelt, die im Internet abrufbar sind. Große
Probleme wirft die Frage des Transportes hochkontagiöser Patienten auf.
Mit ihr beschäftigten sich im Rahmen der Sitzung "Transportmedizin" auch
eine Reihe anderer Referenten. Während er innerhalb Deutschlands unter
entsprechenden Kautelen mit einem Ambulanzfahrzeug (= bodengebundener
Transport) möglich erscheint, ist sie für den Lufttransport
(Hubschrauber / Ambulanzflugzeug / Linienflugzeug) aus dem Ausland bisher nicht
befriedigend gelöst. Einerseits stehen keine zuverlässigen,
praktikablen Desinfektionsverfahren für das Innere des benutzten
Luftfahrzeuges zur Verfügung, andererseits aber auch keine ausreichenden
Schutzvorkehrungen für das Flug- und Begleitpersonal (barrier nursing).
Derzeit verfügbare Isolatoren erlauben keine intensivmedizinische
Betreuung. Die Bundeswehr entwickelte ein "stay and play-scenario", nach dem
nicht der hochkontagiöse Patient nach Deutschland zurückgeführt
wird, sondern alle nötigen Voraussetzungen für dessen (auch
intensivmedizinische) Betreuung an seinem jeweiligen Aufenthaltsort geschaffen
werden. Ein Arbeitskreis aus Flug-medizinern, Infektiologen etc. und der
Flugzeugindustrie soll jetzt nach Wegen für eine Transportlösung
suchen. Auf dem Gebiet der Höhenmedizin berichtete z.B. Kunze (München), dass ein Drittel aller Todesfälle in den Bergen durch Herzinfarkt verursacht sind. Eine Studie ergab bei 22% der befragten Bergwanderer ein erhöhtes Risiko, innerhalb der nächsten 10 Jahre einen schwereren cardio-vasculären Zwischenfall zu erleiden. Dieses Risiko wird noch erhöht durch Trainingsmangel und die meist ungewohnt langanhaltende körperliche Belastung der Bergwanderer. Gemäß Küpper (CRM, Düsseldorf) sind weder Teilnehmer noch Leiter von Höhen-Trekkingtouren über typische Risiken, notwendige Sicherheitsstrategien und Risikomanagement bei Höhentrekking informiert. Der Aufstieg erfolgt deshalb in den meisten Fällen zu schnell und auf zu große Höhenunterschiede. Heinzmann (Winnenden) bestätigte, dass die eigentliche Ursache für akute Höhenkrankheit (AMS) und das höhenbedingte Hirnödem (HACE) in einer Hypoxämie zu suchen sind. Ihre Entwicklung ist abhängig von Anstiegsgeschwindigkeit, Höhe, individueller Akklimatisation und Empfindlichkeit. Bärtsch befasste sich mit der Frage "Bergsteigtauglichkeit" nach Herzinfarkt. Einen breiten Raum nahm das relativ neue und immer größere Bedeutung gewinnende Thema "Telemedizin" ein. Nach Weinlich (International SOS) besteht seit Frühjahr diesen Jahres eine notfallmedizinische Betreuung der LH-Flotte durch SOS Internat. Bei während eines Fluges auftretenden medizinischen Problemen wird in Zusammenarbeit zwischen Flugpersonal und notärztlichem Beratungsdienst in der Bodenzentrale über eventuell notwendige Maßnahmen entschieden und Empfehlungen erteilt. In einer Machbarkeitsstudie ("Flynet") zum Thema "Telemedizin an Bord" wird von DLR und LH nach neuen Möglichkeiten für die Versorgung während eines Fluges auftretender medizinischer Notfälle gesucht. Hinkelbein (Mannheim), referierte über die multiplen Einsatzmöglichkeiten einer telemedizinischen Bild- und Videosequenzübertragung via GMS-Handy und ihre Bedeutung für den Notarzt. Sachdev (Delhi), Gerzer (DLR,Köln) et al. haben seit 1999 eine Zusammenarbeit auf telemedizinischem Gebiet entwickelt. Darüber ist eine direkte Zusammenarbeit bei der Versorgung in Indien erkrankter deutscher Patienten mit ihren deutschen Hausärzten möglich. Außerdem wurden z.B. im Rahmen einer Video-Konferenz zwischen der Indian Medical Association und Ärzten der Charité in Berlin spezielle tropenmedizinische Fälle aus Delhi vorgestellt und diskutiert - ein interessantes Beispiel zum Thema "Teleeducation"! Ein Autorenteam des DLR kam nach Auswertung von Publikationen über 450 telemedizinische Projekte weltweit zu dem Schluss, dass die Einführung telemedizinischer im Vergleich zu Standard-Verfahren häufig zu einer Kostenreduktion bei vergleichbarer wenn nicht verbesserter Versorgungsmöglichkeit führt. Fazit also: Ein für Reisemediziner durchaus interessanter und "lohnender" Kongress! Dr. Ursula Mikulicz Stellvertretende Vorsitzende Deutscher Fachverband Reisemedizin e.V. |
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