| Reisen in drei Dimensionen |
| Eindrücke und Highlights vom Krongress "Medizin und Mobilität" |
| Zum 40. Mal trafen sich Interessierte der Flug- und Reisemedizin
und der Grenzgebiete zum fachübergreifenden Kongress, diesmal mit 350
Teilnehmern in Fürstenfeldbruck. Das vielseitige Programm, das von einem
attraktiven Rahmenprogramm begleitet wurde, beinhaltete Themen der Flugmedizin
und Flugphysiologie, der Raumfahrtmedizin, des Notfalles auf Reisen, der Polar-
und Höhenmedizin und natürlich zahlreiche allgemeine Themen der
Reisemedizin. Der Deutsche Fachverband Reisemedizin (DFR) richtete das Programm
eines Vormittags aus, an dem man sich insbesondere mit der grundlegend
wichtigen Rolle des Hausarztes in der Reisemedizin befasste. ROPERS legte dazu Zahlen vor, aus denen u.a. hervorging, dass reisemedizinische Fragen in 95% der befragten Praxen eine Rolle spielen. Anhand mehrerer Fallbeispiele stellte KLINSING eindrucksvoll dar, wie unterschiedlich (und weit über Impf- und Malariaprophylaxe-Empfehlungen hinausgehend) die Anforderungen an reisemedizinische Beratung und Betreuung in der hausärztlichen Praxis sein können. Um ihnen kompetent nachkommen zu können, muss der Arzt nicht nur über eine solide, breitgefächerte Grundausbildung und Erfahrung verfügen, sondern auch umfassend und fundiert auf reisemedizinischem Gebiet fortgebildet worden sein. ZIEGERs Daten belegen die unterschiedliche Exposition von "Normal-" und "Abenteuertouristen" gegenüber verschiedenen Keimen, wobei insbesondere Entamoeba histolytica und Lamblia intestinalis wesentlich häufiger bei den sog. "Abenteuertouristen" diagnostiziert wurden. BACKU hielt einen viel beachteten Vortrag über juristische Fragen bei Reisenotfällen. Andere während des Kongresses vorgestellte Untersuchungen zeigten Anwendungsmöglichkeiten telemedizinischer Verfahren sowohl in der Raumfahrtmedizin als auch in der Reisemedizin. Hierdurch bietet sich die Möglichkeit, Daten unabhängig von Laborbedingungen unter realen Einsatzbedingungen zu erheben, wie die Arbeitsgruppe um FISCHER anhand telemetrischer Erhebung kardialer Daten in der Antarktis zeigte. Für Risikokollektive, wie z.B. Mukoviszidosepatienten, bietet die Telemedizin ganz neue Kooperationsmöglichkeiten zwischen Schwerpunktzentrum und Hausarzt. Einige Referate beschäftigten sich mit primär präventiven Fragestellungen beim Fliegen, bei LKW-Fahrten und Rettungseinsätzen. So referierte DINGES ausführlich über das Ausmaß von müdigkeitsbedingten Ausfällen bei LKW-Fahrern und stellte sensitive Verfahren vor, diese zu objektivieren. Vergleichbare Ergebnisse erarbeitete die Gruppe um WILHELM an deutschen LKW- und PKW-Fahrern: 15% der PKW-Fahrer wiesen grenzwertige und 10% pathologische Werte auf, bei den LKW-Fahrern sogar 16% rsp. 23%! Das große Gebiet der zahlreichen Referate über Flugtauglichkeit und deren Beurteilung sprengt an dieser Stelle den Rahmen. Interessant sind die Ergebnisse, die die Gruppe um KÜPPER über die Kälteexposition am alpinen Unfallort vorstellte. Danach sind 20,1% der in den Walliser Alpen durchgeführten Luftrettungseinsätze für das Personal mit einem mindestens 5%igen Risiko lokaler Erfrierungen behaftet. In 6% der Einsätze beträgt das rechnerische Risiko mehr als 50% und in 1,6% mehr als 95%. Darüber hinaus besteht aufgrund der drastischen Überschreitung der maximalen Expositionszeit bei 9,1% der Sommerrettungen und 10,3% der Wintereinsätze die Gefahr der Hypothermie. Für die Alpinisten ergibt sich aus den Daten als wichtigste Konsequenz, dass zur Minderung der Alarmierungszeiten und damit der Hypothermiegefahr unbedingt ein Mobiltelefon zur Ausrüstung gehören sollte. Für das Luftrettungspersonal wird aufgrund der extremen Diskrepanz zwischen zu erwartenden und diagnostizierten Hypothermiepatienten dringender Fortbildungsbedarf gesehen. Insgesamt kann man den perfekt organisierten Kongress als "runde Sache" bezeichnen, bei dem neben dem Austausch vieler fachlicher Neuigkeiten auch das persönliche Gespräch nicht zu kurz kam. Das Motto, das GERZER für die zu erwartende bemannte Marsmission in den Raum stellte, "Give the Mission a mission!", gilt sicher auch für den Kongress als Ganzes und der erneute Erfolg dieser Veranstaltung legt die Messlatte für 2003 noch etwas höher! Dr. med. Thomas Küpper Aachen/Düsseldorf Web-Seiten zum Krongress: "Medizin und Mobilität" |