| 7. Jahrestagung | ||||
| des Deutschen Fachverbandes Reisemedizin e.V. | ||||
| Viele Mitglieder und eine stattliche Anzahl von
Gästen trafen sich zum zweiten Mal in der schönen Taunusstadt Bad
Soden zur wissenschaftlichen Jahrestagung des Fachverbandes. Die Stimmung war
mit geprägt von der Freude über das Wiedersehen mit vielen
altbekannten Gesichtern und dem Gedankenaustausch unter Kolleginnen
und Kollegen, die sich bereits bei vorangegangenen Jahrestagungen getroffen
hatten. Das erleichterte natürlich auch die Diskussionen des ersten
Nachmittags, der dem Thema Reisemedizinische Beratung
gewidmet war. Es ist eine altbekannte Tatsache, dass nur ein Bruchteil der ausserordentlich hohen Zahl von Reisenden (über 60 Mio. im Jahr 2003) eine ärztliche Beratung vor Reiseantritt in Anspruch nimmt. Dem gegenüber steht das Ergebnis wissenschaftlicher Studien, nach denen über 30% schwerer Gesundheitsstörungen während eines Auslandsaufenthaltes durch kompetente Beratung vermeidbar gewesen wären. |
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| Diskussionsforum in angenehmer Atmosphäre | ||||
| R. Mazzola, Freiburg, A. von Schrader, Wörthsee,
und O. Bellinger, Frankfurt, stellten den Ablauf in ihren Beratungsstellen dar:
In der Regel suchen die Reisenden den Arzt mit Fragen nach möglicherweise
notwendigen Impfungen auf. Diese Gelegenheit sollte zu einer umfassenden
Beratung genutzt werden. Dabei ist es wichtig, dass der Arzt und seine Mitarbeiterinnen Kompetenz und Qualität demonstrieren und den Klienten das Gefühl von Sicherheit vermitteln. - Die Reisemedizinische Beratung ist als IGeL-Leistung zu betrachten; um deren Akzeptanz zu erhöhen, sollten die Klienten unbedingt auch über Qualifikation und Tätigkeitsschwerpunkte des Arztes informiert werden. Darauf wies noch einmal Th. Fischer, Büdingen, in seinem Referat hin. In dem Vortrag von Rechtsanwalt R. Noll, Stuttgart, wurde deutlich, dass Reiseveranstalter sich in der Regel nicht verantwortlich fühlen für möglicherweise unterwegs auftretende gesundheitliche Probleme. |
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| Mit lebhaftem Interesse widmete sich das Auditorium dem Erfahrungsaustausch über die in zunehmendem Maße sich bildenden Qualitätszirkel in der Reisemedizin. Der DFR sieht sie als bedeutendes Mittel zur Fortbildung und Qualitätssicherung an. Rosemarie Mazzola, seit langem Leiterin eines reisemedizinischen Qualitätszirkels in Freiburg und Mitglied im Vorstand des DFR, steht allen Interessenten für die Beantwortung eventueller Fragen zu Gründung und Inhalt solcher Zirkel zur Verfügung. Darüber hinaus plant der DFR ein jährliches Treffen ihrer Leiter einzurichten. |
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| Rainer Noll, Stuttgart | In der Pause | |||
| Der zweite Tag war speziellen Themen aus der
Reisemedizin gewidmet. U. Klinsing, Frankfurt, sprach über Exkursionen
als Element reisemedizinischer Fortbildung und stellte ihre Ziele und
Inhalte anhand der vom DFR erstmals im Oktober 2003 unter seiner Leitung
durchgeführten Studienexkursion nach Indien dar. Das Programm enthält
zum einen Elemente zur Verbesserung der praktischen Reiseerfahrung, wie sie
für eine kompetente Beratung der Reisenden unerlässlich ist. Zum
anderen werden während der Reise in Seminar- und Übungsform einige
Inhalte des vom DFR konzipierten Fortbildungs-Curriculums "Reisemedizin"
vermittelt. Diese Exkursion wird auch in diesem Jahr wieder angeboten (siehe
Kasten). Alle Teilnehmer der letztjährigen Reise haben in zahlreichen
Briefen an den DFR ein ausserordentlich positives Resume gezogen. Sie haben
sich fast vollzählig im Rahmen der Jahrestagung wieder getroffen und dort
beschlossen, auch an der nächsten Studienreise teil zu nehmen, die
(ebenfalls unter Leitung von U. Klinsing) im Februar 2005 stattfinden und
diesmal nach Ecuador führen wird. Am Beispiel einer ganz anderen "reisemedizinischen Exkursion" berichtete R. Joram, Marienheide, über die medizinischen Implikationen des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan. B. Rieke, Düsseldorf, brachte den Teilnehmern eindrucksvoll die Problematik der Krankenversorgung in einem Hospital in Papua Neu Guinea nahe. Die SARS-Epidemie war eines der Themen unserer letztjährigen Tagung. Auch in den zurückliegenden Monaten wurden wir mit infektiologischen Problemen konfrontiert, die entweder neu waren oder an Bedeutung gewonnen hatten. Da ist zunächst die Vogelgrippe, mit deren virologischen Besonderheiten und epidemiologischen Implikationen (z.B. Pandemiegefahr/Pandemieplanung) B. Schweiger, RKI Berlin, das Auditorium vertraut machte. Das West-Nile-Virus ist bekannt seit 1937, so berichtete B. Zieger, Dresden, hat aber etwa 1996 eine unklare Virulenzerhöhung erfahren und sich in den letzten Jahren sehr rasch inter- und transkontinental ausgebreitet. Dabei betraf die Letalität ausschliesslich Patienten über 50 Jahren. Bei derzeit insgesamt etwa 40 Mio. Infizierten ist die HIV-Infektion schon jetzt die weltweit häufigste Todesursache bei 15-35jährigen. Ein Impfstoff wäre zur Eindämmung dieser furchtbaren Pandemie dringend vonnöten. Hoffnung erweckt eine Vakzine, über die T. Glausinger, Uni Klinikum Hamburg-Eppendorf, berichtete. Tierexperimente waren erfolgversprechend. Eine derzeit laufende Studie hat zum Ziel, Verträglichkeit und Immunogenität zu prüfen. Dem auch in der Reisemedizin eminent wichtigen Thema "Tollwut - Prae- und Postexpositionelle Impfindikationen" war der Vortrag von St. Ross, Inst. f. Virologie, Uni Essen, gewidmet. Er betonte zunächst zwei sehr wichtige Fakten: einmal, dass in vielen Entwicklungsländern noch Nervengewebsimpfstoffe verwendet werden, und zum anderen, dass die in Industrieländern gebräuchlichen Zellkulturimpfstoffe zwar gut verträglich und gegen "normales" Tollwutvirus gut wirksam sind, gegen die Fledermausviren aber nur eine eingeschränkte Wirksamkeit haben. |
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| Das bei nicht ausreichender Zeitspanne
vor der Abreise etablierte Impf-"Schnellschema" (2 Dosen am Tag 0, 1 Dosis am
Tag 7, Booster am Tag 100) ist zur offiziellen WHO- Empfehlung angemeldet.
Wegen der sehr variablen Inkubationszeit (5 Tage bis zu 6 Jahren) der Tollwut
sollte eine PEP auch noch sehr spät (max. bis zu einem Jahr)
postexpositionell begonnen werden. J. Süss, Bundesforschungsanstalt f. Viruserkrankungen der Tiere, Jena, berichtete über den aktuellen Stand der ständig fortschreitenden Verbreitung der FSME-Infektion und ihre Prophylaxe. (Durch wesentlich höhere Antigenkonzentrationen in dem neueren FSME-Immun wird ein Langzeitschutz bei einem Impfschema Tag 0 - Tag 21 - dann nach 9-12 Monaten, erreicht). |
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| Jochen Süß, Jena | Stefan Roß, Essen | |||
| Trotz des weit bekannten Themas "Sextourismus" sind
sexuell übertragbare Erkrankungen ein wichtiges, aber oft
vernachlässigtes Problemgebiet in der Reisemedizin. Darüber
berichtete M. Koppermann, Dermatol. Uni-Klinik, Essen. Alle Arten von
Geschlechtskrankheiten sind gerade in den Zielgebieten vieler Reisen
hochprävalent; ihre Erreger zeichnen sich oft durch Multiresistenz gegen
Antibiotika aus. Auch die Syphilis ist in Osteuropa hochprävalent, die
Inzidenz steigt nicht nur weltweit, sondern seit 2001 auch in Deutschland
wieder deutlich an. Nicht selten wird im Gefolge einer Geschlechtskrankheit
auch eine HIV-Infektion übertragen. Diese Möglichkeit muss der
behandelnde Arzt unbedingt beachten. In seinem sehr humorvollen, mit vielen Bildern illustrierten Vortrag bezeichnete D. Mebs, Uniklinik Frankfurt, durch Gifttiere verursachte Unfälle als kein bedeutendes Risiko für "normale" Touristen. Das jeweilige Gift wird entweder aktiv (mittels Stachel, Zähnen o.ä.) parenteral appliziert oder enteral (durch Verzehr) aufgenommen. Eine der wichtigsten Fischvergiftungen, die gelegentlich ganze Reisegruppen befallen kann, ist Ciguatera. Sie wird ausgelöst durch Toxin produzierende Algen, die von Speisefischen verzehrt und in der Nahrungskette weiter angereichert worden sind. Barrakudas enthalten oftmals die höchsten Toxinkonzentrationen. Beim Baden im Meer ist auf Quallen zu achten. Wer auf unkonventionelle Art auf Reisen geht (Rucksacktouristen), sollte sich vor Ort informieren, was er an Gifttieren zu erwarten hat. Wie dargestellt, berührte also auch die diesjährige wissenschaftliche Tagung des DFR ein sehr breites Spektrum interessanter Themen und wurde darüber hinaus von allen Teilnehmern zu lebhaftem Austausch von Erfahrungen und Meinungen genutzt. Wir freuen uns darauf, möglichst viele interessierte Kolleginnen und Kollegen auch im nächsten Jahr wieder begrüßen zu können. |
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| Dr. Ursula Mikulicz Stellvertr. Vorsitzende, Deutscher Fachverband Reisemedizin e.V. |
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