4. Jahrestagung in Hamburg
Deutscher Fachverband setzt Akzente in der Reisemedizin
 
Am 9. Juni fand in Hamburg die 4. Jahrestagung des Deutschen Fachverbandes Reisemedizin e.V. statt. Der Tagung kam insoweit besondere Bedeutung zu, als erstmalig Rechenschaftsbericht und Neuwahlen zum Vorstand anstanden. Nach Köln, Wiesbaden und Würzburg war Hamburg der vierte Tagungsort. Insgesamt 70 Mitglieder hatten sich angemeldet. Wie in den vergangenen Jahren stand auch dieses Mal am Vormittag und frühen Nachmittag ein Fortbildungsprogramm im Vordergrund, am späten Nachmittag fand die Mitgliederversammlung statt.

Nach einem kurzen Eröffnungsstatement des Vorsitzenden, Prof. Dr. Kröger, begann das Fortbildungsprogramm mit dem Beitrag von Dr. Zieger, Chefarzt des Institutes für Tropen- und Reisemedizin am Klinikum Dresden-Friedrichstadt, zum Thema "Impfcompliance bei Fernreisen". Dr. Zieger stellte dabei besonders die hohe Durchimpfungsrate in der reisemedizinischen Sprechstunde seines Institutes von über 80% bei den Standardimpfungen heraus und führte dies auf die frühere hohe Durchimpfung der Bevölkerung der DDR zurück.
Eindrucksvoll war, dass 84% der Patienten der Impfsprechstunde die Impfempfehlungen des Institutes akzeptierten und entsprechende Impfungen für die Reise durchführen ließen. Auffallend hoch war der Anteil an Typhusimpfungen, wobei Dr. Zieger auf jüngste Veröffentlichungen aus den USA hinwies, wo ein deutlicher Anstieg der Typhuseinschleppungen zu verzeichnen war. Hauptgrund für Nichtdurchführung von empfohlenen Impfungen war in erster Linie Zeitmangel (kurzfristige Abreise), an zweiter Stelle waren es die Kosten, die Reisende von Impfempfehlungen abhielten.

Anschließend ging der Leiter des Gesundheitsdientes im Auswärtigen Amt, Dr. von Laer, in seinem Referat auf die besonderen gesundheitlichen Probleme von Reisenden und Langzeittätigen im Ausland ein und stellte dabei besonders die HIV-Problematik heraus. Nach seinen Ausführungen haben 5 von 100 Langzeittätigen im Ausland Intimkontakt mit Einheimischen, die Hälfte davon ohne Kondome. Ausgehend von einer Infektionsrate von etwa 10% bedeutet dies, dass auf 100 000 im Ausland tätige Mitarbeiter von Unternehmen etwa 250 HIV-Infektionen kommen. Hierbei handelt es sich nach Herrn von Laer um Schätzungen, die aber durchaus der Realität entsprechen dürften.

Hoch interessant waren die beiden Fachreferate von Herrn Dr. Rieke, niedergelassender Arzt und Tropenmediziner aus Düsseldorf, und Prof. Dr. Wassilew, Direktor der Dermatologischen Klinik am Klinikum Krefeld. In einem sehr praxisorientierten Vortrag erörterte Dr. Rieke die differentialdiagnostischen Schritte bei der Untersuchung von Reiserückkehrern mit klinischen Symptomen. Dabei ging er auch auf die Schwierigkeiten bei der Ursachensuche bei Durchfallerkrankungen ein; bei 30-55% der Erkrankten ist labordiagnostisch kein Auslöser nachweisbar. Er erinnerte an die Bedeutung des Malariaauschlusses und der Impfanamnese bei Tropenrückkehrern mit Fieber. Abschließend wurden noch einige einfache, oft vergessene Verfahren zum Nachweis von Parasiten erwähnt, die auch in der Praxis des niedergelassenen Arztes anwendbar sind.

Prof. Dr. Wassilew gab in seinem Vortrag eine Fülle von Hinweisen über den Umgang mit hautkranken Patienten im Zusammenhang mit Fernreisen. Er warnte ausdrücklich davor, diese Patienten "unbesehen" in Gebiete mit hoher Sonneneinstrahlung reisen zu lassen oder vom Reisen in die Sonne generell abzuraten; vielmehr müsse eine Inspektion der Dermatose erfolgen und bei exacerbierten chronischen Erscheinungen die Heilung bzw. Stabilisierung abgewartet werden (exsudative Psoriasis, -Neurodermitis).
Für die Behandlung der nach der Reise recht häufig beklagten persistierenden Insektenstichreaktionen, die i.d.R. keine Fremdkörper als Ursache haben, empfiehlt er kurzfristige Steroid- und Antihistaminikagaben, bei schweren Fällen evtl. die Unterspritzung mit einer Steroid-Lokalanästhetikum Mischung.

Es folgte ein sehr zukunftsweisendes Referat von Prof. Dr. Gerzer, Direktor des Institutes für Luft- und Raumfahrtmedizin, zum Thema “Telemedizin in der Reisemedizin”, in dem die bereits bestehenden Möglichkeiten telemedizinischer Übertragungen mit herkönmmlicher PC-Standard-Ausstattungen und allgemein verfügbarer Software dargestellt wurden. Die Probleme liegen derzeit weniger im technischen Bereich als vielmehr in der Frage der Kostenerstattung telemedizinischer Übertragungen durch Krankenkassen oder andere Kostenträger. So lange hier kein Kostenträger gefunden ist, wird die Entwicklung nur langsam voranschreiten.

Im abschließenden Referat stellte der leitende Arzt der Medical Helpline Worldwide in München, Kollege Tannhäuser, mit konkreten Beispielen die Arbeit der internationalen ärztlichen Notrufzentrale vor und zeigte am Beispiel der Diabetiker-Betreuung Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit dem Hausarzt einerseits und Ärzten vor Ort im Reisezielgebiet andererseits auf. Dabei stellt die Internationale ärztliche Notrufzentrale eine Schnittstelle dar, indem sie das Betreuungsgeschehen über mehrsprachige, besonders qualifizierte Ärzte der Zentrale koordiniert und steuert. In dieser reisemedizinischen Assistance liegt sicherlich eine der künftigen Standbeine der Reisemedizin. Auch hier ist allerdings die Frage der Kostenträgerschaft verstärkt zu klären.

Insgesamt erwies sich das Fortbildungs programm der Jahrestagung wieder einmal als breitgefächert und sehr relevant für die reisemedizinische Praxis, so dass keiner der Teilnehmer sein Kommen bereut hat.
 
Mitgliederversammlung im Rahmen der Jahrestagung:
Vorstand geht gestärkt in die neue Amtsperiode
In seinem Rechenschaftsbericht stellte der Vorsitzende, Prof. Dr. Kröger, die Schwerpunkte der Arbeit heraus: Die Qualitätssicherung in der Reisemedizin über einheitliche Weiterbildungs-Richtlinien und die Frage einer angemessenen Honorierung reisemedizinischer Beratungsleistungen für den niedergelassenen Arzt als Voraussetzung für eine qualifizierte Beratungsleistung.

Prof. Dr. Kröger verwies in diesem Zusammenhang auf die Arbeit und Ergebnisse der Fachausschüsse des Verbandes, insbesondere des Fachausschusses "Reisemedizinische Beratung" unter der Leitung des Kollegen Dr. Krappitz aus Köln. Er hatte nach umfangreicher Vorarbeit im Fachausschuß im März 2001 einen Konsensus-Workshop zu den Inhalten der reisemedizinischen Beratung organisiert, an dem über 40 Vertreter von verschiedensten reisemedizinisch interessierten Organisationen, Verbänden und Institutionen teilgenommen haben. Die Ergebnisse wurden von Dr. Krappitz in einem Ergebnispapier vorgelegt und erläutert.

Dr. Klinsing aus Frankfurt berichtete dann als Vorsitzender des Ausschusses “Aus-, Weiter- und Fortbildung” in der Reisemedizin über die Voraussetzungen für das Basis-Zertifikat des Fachverbandes als Befähigungsnachweis für eine qualifizierte Reise-Gesundheitsberatung. Bereits 124 Ärzte haben das Zertifikat erworben. Das Zertifikat steht neben dem CRM-Zertifikat für Reise- und Tropenmedizin, dem Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Tropen-medizin und internationale Gesundheit (DTG-Zertifikat) und dem Diplom der Deutschen Gesellschaft für Reise- und Touristikmedizin, die alle etwa 30 Unterrichtsstunden umfassen und mit einer Prüfung abschließen. Der Fachverband strebt an, die verschiedenen Zertifikate zu einem gemeinsamen Zertifikat zusammenzuführen. Dies wird eine der Hauptaufgaben der Arbeit des Vorstandes in der neuen Arbeitsperiode sein.

Erste Schritte wurden bereits unternommen: So berichtete der Vorsitzende, dass der Fachverband im Hinblick auf eine einheitliche Qualifizierung für Reisemedizin bei der Bundesärztekammer einen Antrag auf die Einführung einer Zusatzbezeichnung Reisemedizin gestellt hat. Er las hierzu auch eine durchaus als positiv zu wertende schriftliche Rückäußerung des Präsidenten der Bundesärztekammer, Prof. Dr. Hoppe, vor. Danach besteht berechtigte Hoffnung, daß bei der Novellierung der Weiterbildungsordnung die Reisemedizin in die Liste führbarer Bezeichnungen aufgenommen wird. Prof. Dr. Hoppe kündigte an, daß die Bundesärztekammer hierzu im Laufe dieses und nächsten Jahres Hearings veranstalten würde.

Dr. Krappitz berichtete anschließend über die Arbeit des Fachausschusses "Vergütung reisemedizinischer Leistungen" und über entsprechende Aktivitäten, die besonders er und der Vorsitzende Prof. Dr. Kröger in enger Zusammenarbeit mit dem Hartmannbund unternommen hatten. Gleichzeitig verband Dr. Krappitz den Bericht mit der Frage, inwieweit bei den Mitgliedern auch ein tatsächliches Interesse an der Weiterverfolgung der Schaffung eigenständiger reisemedizinischer Gebühren im Rahmen der GOÄ bestehe? Mit einem breiten Votum unterstützten die Mitglieder die Arbeit des Vorstandes in dieser Sache und forderten ihn auf, die Angelegenheit weiter zu verfolgen.

Anschließend stellte Dr. Esser die Finanzen des Verbandes dar und erläuterte die Jahresrechnungen 1997 bis 2001. Dr. Rieke, der auf Wunsch des Vorstandes die Kassenprüfung übernommen hatte, bestätigte den Mitgliedern eine ordnungsgemäße und sparsame Mittelbewirtschaftung durch den Vorstand. Die Mitglieder entlasteten den Vorstand einstimmig für die abgelaufene Amtsperiode 1997-2001 und bestimmten ebenfalls einstimmig Dr. Joram, niedergelassener Arzt aus Marienheide, zum Wahlleiter.

Nach Abschluß der Wahl bedankte sich der wiedergewählte Vorsitzende Prof. Dr. Kröger auch im Namen der anderen gewählten Vorstandsmitglieder für das Vertrauen und skizzierte nochmals die Hauptziele für die neue Amtsperiode. Außerdem bedankte er sich abschließend nochmals ausdrücklich mit einem Blumenstrauß bei Frau Bergmann vom Centrum für Reisemedizin für die engagierte und vorbildliche Betreuung der Geschäftsstelle des Fachverbandes.
 
Ergebnisse der Vorstandswahlen 2001

Vorsitzender:
Prof. Dr. med. Erich Kröger
Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen und Arbeitsmedizin
Tropenmedizin - Flugmedizin, DTPH (London)
Centrum für Reisemedizin, Düsseldorf

Stellvertretende Vorsitzende:
Dr. med. Norbert Krappitz
Facharzt für Allgemeinmedizin - Flugmedizin, Köln

Dr. med. Ulrich Klinsing
Facharzt für Allgemeinmedizin, Frankfurt

Beisitzer:
Dr. med. Stefan Eßer
Facharzt für Allgemeinmedizin, Stollberg

Dr. med. Ursula Mikulicz
Fachärztin für Pädiatrie
Tropenmedizin - Betriebsmedizin, Kronberg/Taunus

Dr. med. Burkhard Rieke
Facharzt für Innere Medizin - Tropenmedizin, Düsseldorf

Dr. med. Bernd Zieger
Facharzt für Innere Medizin -
Tropen- u. Reisemedizin
Städtisches Klinikum, Dresden


Alle Vorstandsmitglieder wurden jeweils einstimmig bei einer Stimmenthaltung gewählt. Die Amtsperoide endet 2005.