| Jahresrückblick 2004 |
| Der Jahreswechsel gibt Anlass dazu, noch einmal über die
Ereignisse des vergangenen Jahresnachzudenken, daraus mögliche
Schlüsse zu ziehen und Pläne für die Zukunft zu
enrwickeln. Erinnern wir uns: Der 106. Deutsche Ärztetag hatte im Mai 2003 die Reisemedizin als unabhängige Fortbildungsdisziplin etabliert - eine Weichenstellung, an deren Zustandekommen der Deutsche Fachverband Reisemedizin nicht ganz unbeteiligt war und die er außerordentlich begrüßt hat. Damit ergab sich für den Deutschen Senat für Ärztliche Fortbildung die Notwendigkeit, über ein entsprechendes Fortbildungscurriculum zu befinden. Der DFR seinerseits sieht sich seit vielen Jahren einer möglichst kompetenten, ausreichend qualifizierenden Fortbildung der reisemedizinisch tätigen deutschen Ärzteschaft verpflichtet. Er geht davon aus, damit im wohlverstandenen Interesse auch der jährlich etwa 67 Mio. deutschen Reisenden (darunter gut 68% mit Reiseziel im Ausland) zu handeln. Bereits im Jahr 2000 hatte der DFR deshalb ein 32 Stunden umfassendes Curriculum für sein Zertifikat "Reise-Gesundheitsberatung" entwickelt, das mittlerweile 250 Kolleginnen und Kollegen durch Teilnahme an entsprechenden Kursen unterschiedlicher Anbieter erworben haben. Dieses Curriculum wurde auch der Bundesärztekammer vorgelegt. Die Erfahrungen der Folgezeit und insbesondere die Tatsache, dass immer mehr Reisende mit zum Teil immer schwierigeren gesundheitlichen Vorbedingungen immer extremere Reiseziele anstreben, machten aber schnell deutlich, dass mit dieser im zeitlichen Umfang nur sehr begrenzten Fortbildung keinesfalls eine ausreichende Qualifizierung als Grundlage für eine kompetente reisemedizinische Beratung erreicht werden kann. Neben den in der Person des Reisenden liegenden Risiken waren auch mögliche risikobehaftete Reiseaktivitäten wie z.B. Tauchen und Aufenthalt in größeren Höhen zu berücksichtigen. Bei der Betrachtung reiseassoziierter Risiken stehen im allgemeinen infektiologische Probleme im Vordergrund. Wie wichtig aber die Berücksichtigung aller anderen Risiken ist, geht klar aus einer Reihe internationaler Untersuchungen hervor: Danach nimmt den ersten Platz aller schweren Gesundheitsbeeinträchtigungen während einer Reise mit weitem Abstand das Unfallgeschehen und seine Folgen ein. Gemäß einer kanadischen Studie waren knapp 25% aller Todesfälle während eines Auslandsaufenthaltes unfallbedingt! Zumeist an zweiter Stelle der Ursachen stehen sowohl bei tödlichen Zwischenfällen als auch bei schweren Gesundheitsstörungen ischaemische Herzerkrankungen. Das verwundert nicht, wenn man eine Studie des BNI, Hamburg, betrachtet, nach der 26,1% der in die Studie eingeschlossenen Fernreisenden die Einnahme einer Dauermedikation angaben, 19,1% waren Patienten mit einer chronischen Erkrankung. Die außerordentliche Bedeutung einer kompetenten praeventivmedizinischen Beratung unter Einbeziehung aller dieser Implikationen unterstreicht die bereits erwähnte kanadische Studie: Die Autoren stellen fest, dass 36% der darin untersuchten Todesfälle vermeidbar gewesen wären durch geeignete Vorbeugungsmaßnahmen resp. eine ausreichende medizinische Beratung vor oder Betreuung während der Reise! Der DFR hat deshalb ein Fortbildungscurriculum etabliert, das in 120 Stunden nicht nur über die infektiologischen, sondern auch alle anderen Risiken informiert und zumindest unserer Meinung nach geeignet ist, die Kollegenschaft für eine kompetente, umfassende reisemedizinische Beratung zu qualifizieren. Auf dieser Basis erteilt der DFR seit Mitte des Jahres 2003 das "Fachzertifikat Reisemedizin". Es wurde mittlerweile von mehr als 125 Kolleginnen und Kollegen erworben; etwa 350 weitere haben bereits größere Teile der Kurse absolviert. Auch dieses Curriculum liegt den Gremien der Bundesärztekammer vor. Der Deutsche Senat für Ärztliche Fortbildung hat sich nun im Herbst mit dem Thema befasst und beschlossen, den Landesärztekammern eine strukturierte curriculäre Fortbildung "Reisemedizinische Gesundheitsberatung" auf der Basis eines 32stündigen Curriculums vorzuschlagen. Die Gremien der BÄK halten die Reisemedizin zwar nach wie vor für ein sehr wichtiges Thema, konnten sich aber aus einer Reihe von Gründen nicht dazu entschließen, das vom DFR vorgelegte, sehr umfangreiche 120 Stunden-Curriculum für die einführende Fortbildung vorzuschreiben. Das von der BÄK beschlossene Curriculum entspricht im wesentlichen dem, das auch dem DFR-Zertifikat "Reise-Gesundheitsberatung" zu Grunde liegt. Der DFR ist allerdings nach wie vor der festen Überzeugung, dass damit keine wirklich qualifizierende reisemedizinische Fortbildung gewährleistet werden kann und hält deshalb an seinem umfangreichen 120 Stunden-Curriculum fest. Um der Entscheidung der BÄK aber Rechnung zu tragen, haben wir es leicht modifiziert. Es sieht jetzt folgende Regelung vor:
Soweit zum Thema reisemedizinische Fortbildung. Wir hatten darüber bereits mehrfach berichtet. In Anbetracht der neuesten Entwicklung hielten wir es aber für wichtig, es an dieser Stelle noch einmal zu tun. Wie bekannt, sind wir der Überzeugung, dass neben einer ausreichenden Fortbildung auch die praktische Erfahrung eine wichtige Grundlage für eine kompetente Beratungstätigkeit bildet. Deshalb hat der DFR erstmals im Oktober 2003 eine reisemedizinische Studienreise nach Indien durchgeführt, der nach Ansicht aller Teilnehmer ein großer Erfolg beschieden war. Auch darüber wurde bereits mehrerenorts berichtet. Unter der bewährten Leitung des Kollegen Klinsing wurde diese Reise unlängst erneut unternommen. Einem Vorschlag der Teilnehmer der ersten Indienreise folgend, wird diese gesamte Gruppe (wieder unter der Leitung von Herrn Klinsing) zu einer zweiten Studienreise Ende Januar nach Ecuador aufbrechen. Neben der Fortbildung scheint es uns an der Zeit, sich auch der Forschung auf dem Gebiet der Reisemedizin zu widmen. Ein an unsere Mitglieder vor einigen Wochen versandter Fragebogen dazu ist auf eine unerwartet lebhafte Resonanz gestoßen. Die in großer Anzahl eingegangenen Antworten werden derzeit ausgewertet. Der Kollege Rieke, der für dieses Projekt im Vorstand verantwortlich ist, wird in der nächsten Ausgabe darüber berichten. Liebe Kolleginnen und Kollegen, wie Sie sehen, hat den Vorstand des DFR im Jahr 2004 eine ganze Reihe von wichtigen Aktivitäten beschäftigt. Über sie alle wurde in den unterschiedlichen Stadien mehrfach berichtet. Wir glauben, dass unser Engagement auf allen diesen Gebieten im wohlverstandenen Interesse der Reisemedizin, der sie praktizierenden Kolleginnen und Kollegen und nicht zuletzt unserer Beratung suchenden Patienten sinnvoll und wichtig war. Darum werden wir es auch im neuen Jahr weiter fortsetzen. Wir freuen uns über einen lebhaften Gedankenaustausch mit unseren Mitgliedern und wünschen Ihnen allen ein erfolgreiches und sowohl beruflich als auch privat zufriedenes Jahr 2005. Dr. Ursula Mikulicz Stellvertretende Vorsitzende Deutscher Fachverband Reisemedizin e.V. |