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4. Forum Reisen und Gesundheit 7.- 8. März 2003 in Berlin |
| REISEN MIT KINDERN | |
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| Zum vierten Mal fand im März das Forum Reisen und
Gesundheit im Rahmen der Internationalen Tourismus-Börse ITB in Berlin
statt, das den Dialog zwischen Reisemedizin und Reisesektor fördern soll.
Über das vom Centrum für Reisemedizin (CRM) Düsseldorf gemeinsam
mit dem Gesundheitsdienst des Auswärtigen Amts Berlin veranstaltete
Symposium soll hier zusammenfassend berichtet werden. Nach den Begrüßungsworten und einer thematischen Einführung von Kröger (CRM) und von Laer (Auswärtiges Amt, Gesundheitsdienst) erläuterten Leimbeck und Strohmaier, München, in einem sozioökonomischen Überblick die Familien Analyse 2002 der Zeitschrift Eltern. Von den rund 13 Mio. Erwachsenen, zu deren Haushalt ein Kind unter 14 Jahren gehört, ist besonders der Typus der modernen Großstadtfamilie mit überdurchschnittlichem Einkommen und mehreren Urlaubsreisen pro Jahr von Bedeutung für den Reisesektor. Allgemein überwiegen bei Familien Ziele, die mit dem PKW erreicht werden können, während außereuropäische Ziele einschließlich der Türkei nur von wenigen Prozent der Befragten für die nächsten 12 Monate angesteuert werden. Auf schlechte Informationsmöglichkeiten bei Reisen mit behinderten Kindern verwies Rinn, Wetzlar, in seinem Beitrag. Behinderung wird zwar vielfach mit dem Rollstuhl assoziiert, doch geht es auch um Informationsquellen zu geeigneten Reisezielen für Seh- und Hörbehinderte, Kleinwüchsige, geistig und seelisch Behinderte. Daneben wächst die Zahl der Kinder, die durch Stoffwechseldefekte oder Allergien auf konsequente Diäten angewiesen sind. Hier fällt den Selbsthilfegruppen und Verbänden eine wichtige Kommunikationsaufgabe zu. In einem engagierten Plädoyer für altersangepasste elterliche Fürsorge beschäftigte sich Volkmer, Buchholz, mit der Frage nach Nutzen und Risiko des Aufenthaltes von Kindern in den Tropen. 8% der 2,76 Mio. Tropenreisenden in 2001 seien Kinder unter 14 Jahren gewesen. Gerade bei Langzeitaufenthalten unter wenig touristisch geprägten Rahmenbedingungen sei die Grenzziehung zwischen Autonomiebedürfnis des Kindes und der elterlichen Verpflichtung zur Absicherung nicht immer leicht. Er spannte dabei den Bogen vom Kleinkind, das einen Skorpion findet, bis zum Jugendlichen, dessen Außenkontakte durch die Sicherheitslage beschränkt werden. Bialek, Tübingen, fasste die Regeln zu Impfschutz von auch vorerkrankten Kindern bei Reisen zusammen. Im wesentlichen ist ein altersadäquater Impfschutz nach den STIKO-Empfehlungen um reisemedizinische Indikationen zu erweitern, die sich aus der Art und Dauer der Exposition und natürlich dem Zielland ergeben. Spätestens mit 2 Jahren gibt es keine altersbedingten Kontraindikationen mehr. Daneben fasste er die Regeln für den Impfschutz bei primärer oder sekundärer (HIV, Dialyse, Tumortherapie, Medikation) Störung der zellulären und humoralen Immunität zusammen. Ghana war 2001 das häufigste Herkunftsland von Malariafällen, berichtete Burchard, Hamburg, in seinem Beitrag. Etwa 50 Kinder bekämen jedes Jahr Malaria, wobei rund 90% Immigrantenkinder betroffen seien. Zu den geltenden Empfehlungen konnte er ergänzen, dass Atovaquone/Proguanil inzwischen auch für Kinder ab 11 kg KG eine Zulassung für die Prophylaxe hat und eine Kindertablette mit einem Viertel der normalen Dosis vor der Zulassung steht. Zieger, Dresden, fasste die Klinik und Epidemiologie des Dengue-Fiebers noch einmal zusammen und verwies auf die überproportionale Zahl von Kindern unter den hämorrhagischen und den tödlichen Verläufen, so etwa bei der kubanischen Epidemie 1997. Mit vielen Bildbeispielen stellte Wassilew, Krefeld, das große Spektrum von Hautinfektionen bei Kindern und Jugendlichen dar. Es umfasst Mykosen, bakterielle und virale Infektionen und die parasitären Erkrankungen. Zur häufigen Herpessimplex-Infektion verwies er auf die Möglichkeit der Therapie mit Aciclovor auch schon beim Kleinkind und empfahl bei prädisponierten Reisenden auch schon die prophylaktische Einnahme ab 3 Tage vor Abreise. Von Laer, Berlin, plädierte in seinem Beitrag für das strikte Einhalten von Hygieneregeln als wesentlicher Voraussetzung für die Reduktion von Infektionsgefahren. Kinder seien nicht nur oft diejenigen, die eine Infektion in die Familie einbrächten, sondern auch die, die unter dem Versagen der Prävention am meisten litten. Dabei ging er nicht nur auf die offensichtlichen Gefahren faeko-oraler Transmission ein, sondern erwähnte auch den für Langzeitaufenthalte besonders bedeutsamen Aspekt sexueller Ersterfahrungen in HIV-Hoch-prävalenzgebieten. Küpper, Düsseldorf, ging auf die Problematik von Höhenaufenthalten Schwangerer und kleiner Kinder ein. Er stellte den pädiatrischen CLLS-Score vor, eine Diagnosemöglichkeit für die akute Höhenkrankheit, die auf der Beobachtung von Verhaltensparametern durch die Eltern beruht, und betonte die altersgerechte Abstufung von Dauer und Schwierigkeitsgrad von Touren mit älteren Kindern. Für Schwangere sei eine Höhen-Obergrenze von 3000 3500 m zu empfehlen sowie die korrekte nichtmedikamentöse Prävention der Höhenkrankheit. Daneben sei auf Aktivitäten mit erhöhtem Traumarisiko zu verzichten. Die Physiologie und Psychologie von Kindern beim Tauchen beleuchtete van Laak, Kronshagen, mit physiologischen und pathophysiologischen Daten. Als absolute Altersgrenze seien 8 Jahre anzugeben, im Korridor bis 14 Jahren sprach er von einer relativen Tauchsport-Tauglichkeit. 10-12 m Wassertiefe sollten nicht unterschritten werden. Mebs, Frankfurt, erläuterte die Gefahren, die Kindern durch Unfälle mit Gifttieren drohen. Das Spektrum reicht von der Anaphylaxie durch einzelne Bienen- oder Wespenstiche, die 1-2 Kinder im Jahr auch in Deutschland das Leben kosten, bis zum Lungenödem und kardiogenen Schock nach Skorpionstichen bei Kleinkindern. Auch auf die bei Kindern konsequenzenreicheren Stiche von Rochen und die Gefahren einer relativ höheren Giftdosis bei Schlangen und die Ingestion von Toxinen etwa bei der Ciguatera ging er ein. Statistische Daten des ADAC zur Repatriierung von Kindern trug Schäfer, München, bei. 5,5% der bearbeiteten 30.000 Fälle in 2001 betrafen Kinder, wobei je etwa zur Hälfte Verletzungen und internistisch/pädiatrisch/allgemein-chirurgische Erkrankungen vorlagen. Zu Fragen der Flugreiseplanung für Kinder nahm von Mülmann, Frankfurt, Stellung. Last-minute-Reisen seien für Reisen mit Klein- und Schulkindern nicht geeignet. Auf Kontraindikationen zur Flugreise ging er ebenso ein wie auf die medizinischen Versorgungsmöglichkeiten an Bord. Gesunden Menschenverstand empfahl Meffert, Berlin, als das beste Sonnenschutzmittel. Abhängig von Tageszeit, Hauttyp und geographischer Position kann man die Höchstdauer für das erste Sonnenbad ermitteln, die dann um täglich 25% gesteigert werden könne. So könnten blasenbildende Sonnenbrände bei Kindern und Jugendlichen vermieden werden, die einen klar fassbaren Risikofaktor für die spätere Melanomentwicklung bildeten. Auf die verstärkte Notwendigkeit zur Planung verwies Krawinkel, Gießen, wenn die Reise mit einem chronisch kranken Kind unternommen werden soll. Dies betrifft vor allem die laufende Dauermedikation und die für die Beherrschung von Komplikationen erforderlichen Substanzen. Aber auch die Verfügbarkeit spezieller Diäten könne nicht immer gesichert werden. Rieke, Düsseldorf, ging abschließend auf praktische Fragen rund um Auslandsaufenthalte mit Kleinkindern ein. Zu überlegen sind Lösungen für den Kindertransport jenseits asphaltierter Wege, Windeln, wo diese keine Wegwerfprodukte sind, und eine Auswahl an Mahlzeiten, die für das mitgereiste Kind bekannt sind. Doch auch der Behandlungsfall sollte geplant sein: eine kindgerechte Reiseapotheke muss mitgeführt werden. Dr. med. Burkhard Rieke Düsseldorf Vorstandsmitglied des Deutschen Fachverbandes Reisemedizin e.V. |
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